Solarthermie
Abbildung
1: Die Solaranlage mit 40 m² Kollektorfläche
wurde im Rahmen des Projekts am „Red Cross Resort“ in Ohrid, Mazedonien
errichtet
Obwohl die Länder Südosteuropas sehr gute klimatische Voraussetzungen zur Nutzung der Solarenergie haben, wurde diese Energiequelle bisher nicht breit genutzt. Mazedonien und das Nachbarland Albanien gehen seit vier Jahren erfolgreich einen neuen Weg.
Sonnenaufgang in Südosteuropa
Die Energieversorgung der beiden Staaten ist gekennzeichnet von fossilen Energieimporten
und staatlich subventinoniertem Strom, der teilweise unter den Gestehungskosten
an die Endkunden weitergegeben wird. Ein nicht unerheblicher Teil des Stroms
und der fossilen Energien wird für Warmwasserbereitung und Raumheizung
genutzt.
Nachdem die mazedonische Regierung ab dem Jahr 2000 Überlegungen anstellte,
erneuerbare Energien generell und das Solarenergiepotenzial im speziellen verstärkt
zu nutzen, wurden in den vergangenen drei Jahren mit finanzieller Unterstützung
Österreichs als erster Schritt die entsprechenden Kapazitäten aufgebaut
und Rahmenbedingungen geschaffen, die für eine breite Markteinführung
erforderlich sind.
Zwischen September 2005 und Oktober 2008 führte die AEE INTEC in Kooperation
mit dem SWT der Universität Stuttgart sowie mit mazedonischen und albanischen
Solartechnikunternehmen, den zuständigen Ministerien, Forschungseinrichtungen
und dem mazedonischen Konsumentenverband zwei umfangreiche Projekte durch.
Die wesentlichen Schwerpunkte der Projekte waren:
Aus- und Weiterbildung
Zu Beginn der Projekte lag der Schwerpunkt der Aktivitäten im Bereich
der Ausbildung von Mitarbeitern von Solartechnikunternehmen, Lehrern von Berufsschulen
sowie Forschungseinrichtungen. Im Rahmen von je vier Ausbildungslehrgängen
in Mazedonien und Albanien wurden insgesamt 225 Personen ausgebildet. Eine zweite
wesentliche Komponente der Projekte war die Verbesserung der technischen Qualität
und Leistungsfähigkeit der in den beiden Ländern gefertigten Solaranlagen.
Um die Leistungsfähigkeit, der in den beiden Ländern von einigen kleinen,
sehr engagierten Firmen hergestellten Solaranlagen dokumentieren zu können
und Verbesserungspotenziale aufzeigen zu können, wurden zahlreiche bestehende
Anlagen mit entsprechender Messtechnik versehen. Die erfassten Daten wurden
über einen Zeitraum von zwei Jahren ausgewertet und gemeinsam mit den Firmen
analysiert. Basierend auf den daraus gewonnenen Erkenntnissen wurden Optimierungs-
und Verbesserungsstrategien entwickelt.
Neben der Realisierung von signifikanten Verbesserungen bei Kollektoren und
Speichern
(Optimierung der Absorbergeometrie, Verbesserung der Speichergeometrie und der
Speicherdämmung) ist es auch gelungen, gemeinsam mit der Firma Plasma aus
Skopje eine selektive Beschichtung für Absorber zu entwickeln.
Abbildung 2:
Dr. Ilja Nasov (rechts) mit einem Mitarbeiter
seiner Firma PLASMA vor der Sputteranlage zur Beschichtung von Solarabsorbern
Neben der intensiven Arbeit mit den am Projekt beteiligten Unternehmen ging es auch darum, einen Informationsaustausch zwischen den lokalen Firmen mit Produzenten in Österreich und Griechenland herzustellen.
Demonstrationsanlagen
Die optimierten Anlagenkonzepte wurden in neun Demonstrationsanlagen in Mazedonien
und sieben Anlagen in Albanien erprobt und die Anlagenfunktion messtechnisch
erfasst und ausgewertet. Da die Errichtung dieser Anlagen mit Projektmitteln
kofinanziert wurde, kamen die Demonstrationsanlagen in beiden Ländern sozialen
Einrichtungen zugute. Die Gesamtkollektorfläche, der errichteten Anlagen,
beträgt 190 m². Die größte Anlage mit 40 m² Kollektorfläche
wurde am "Red Cross Ressort“ in Struga errichtet.
Abbildung 3: Solaranlage am Sozialzentrum
Kamza, Albanien
Der erzielte Umwelteffekt in Mazedonien
Die Ergebnisse der Anlagenvermessung können wie folgt zusammengefasst
werden: Die mittlere jährliche Einstrahlung auf die Kollektorflächen
beträgt rund 1400 kWh/m² und die solaren Erträge der verbesserten
Anlagen lagen zwischen 390 und 450 kWh pro Quadratmeter Kollektorfläche.
Wenn man einen mittleren solaren Ertrag von 400 kWh pro Quadratmeter Kollektorfläche
zugrunde legt, so produzieren die errichteten Solaranlagen rund 61.200 kWh pro
Jahr. Über die zu erwartende Lebensdauer der Anlagen von 20 Jahren ergibt
sich somit ein Ertrag von 1224 MWh.
Die daraus resultierenden Einsparungen - umgerechnet auf Erdöläquivalent
- sind 13.000 Liter jährlich, oder 260.000 Liter über die Lebensdauer
der Anlagen. Damit werden jährlich 35.490 kg CO2 und über
die Lebensdauer der Anlagen rund 710 Tonnen vermieden.
Auf Basis der im Rahmen des Projekts geleisteten finanziellen Zuschüsse
in Höhe von EUR 21.240 zu den neun mazedonischen Demonstrationsanlagen,
ergeben sich - kalkuliert über die Lebensdauer der Anlagen - Energiekosten
von EUR 0,017 pro kWh. Die Kosten pro Tonne vermiedenem CO2 liegen
damit bei EUR 30,-.
Fördermaßnahmen
Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt des mazedonischen Projekts war die Unterstützung
der Behörden und zuständigen Ministerien bei der Anpassung der energierelevanten
Gesetzgebung an EU Erfordernisse, da Mazedonien seit über zwei Jahren den
Status eines EU Beitrittskandidaten hat.
Darüber hinaus wurden umfassende Maßnahmen zur Forcierung der Nutzung
erneuerbarer Energien generell und für Solarthermie im Besonderen erarbeitet.
Dazu wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet und vom Wirtschaftsministerium
ein „Solar Officer“ ernannt, der nun für die Umsetzung der
Maßnahmen zuständig ist.
Um auch den Erfahrungsaustausch zwischen den österreichischen und mazedonischen
Behörden zu intensivieren, besuchten Beamte mehrerer mazedonischer Ministerien
Österreich, um sich vom Erfolg österreichischer Maßnahmen zur
Förderung erneuerbarer Energien zu überzeugen.
Das Ergebnis, der von der interministeriellen Arbeitsgruppe erarbeiteten und
umgesetzten Maßnahmen zur Markteinführung von thermischen Solaranlagen
kann sich durchaus sehen lassen.
Im Jahr 2007 wurde ein erstes Impulsförderprogramm für 500 Solaranlagen
mit einem Fördervolumen von 150.000 Euro beschlossen. Das Programm fand
derart guten Anklang, dass die 500 Solaranlagen innerhalb weniger Wochen errichtet
waren. Um die Markteinführung weiter zu beschleunigen und den bürokratischen
Aufwand für die Abwicklung in Grenzen zu halten, wurde als weitere Maßnahme
beschlossen, den Mehrwertsteuersatz auf thermische Solaranlagen von 18% auf
5% zu senken.
Qualitätssicherung und Testzentrum
Um die Qualität der in Mazedonien gefertigten und errichteten Solaranlagen
zu sichern bzw. zu erhöhen, wurde am Gelände des Hydrometeorologischen
Instituts in Skopje ein Solartestzentrum errichtet (siehe Abbildung
4).
Das Testzentrum wurde von SWT in Stuttgart gebaut und ermöglicht nun den
parallelen Leistungstest von vier Kollektoren, so wie auch die Durchführung
von Qualitätstests. Die in einen Transportcontainer integrierten Mess-
und Prüfeinrichtungen wurden schlüsselfertig geliefert. Die Ausbildung
der mazedonischen Experten erfolgte sowohl am ITW in Stuttgart wie auch vor
Ort in Skopje.
Da die Kosten dieses Testzentrums, das von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
finanzierte Projekt überstiegen hätte, wurde die Errichtung von der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und dem mazedonischen Wirtschaftsministerium
mitfinanziert.
Abbildung 4: Das Testzentrum am Hydrometeorologischen Institut in Skopje
Mit dem Testzentrum wurden die Voraussetzungen für die Einführung
eines standardisierten Qualitätsniveaus für in Mazedonien gefertigte
Solaranlagen geschaffen. Die Durchführung der Qualitätskennzeichnung
und Vergabe des Qualitätslabels soll in Zukunft von der mazedonischen Konsumentenschutzvereinigung
OPM durchgeführt werden.
Eine in der Ausführung etwas einfachere Testeinrichtung für Sonnenkollektoren
wurde auch im Rahmen des albanischen Projekts in Tirana errichtet. Diese am
Harry Fultz Institut installierte Testeinrichtung wurde gemeinsam aus Projektmitteln
der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und Mitteln des UNDP (United
Nations Development Programmes) finanziert.
Im Rahmen der Ausbildungs- und Qualitätssicherungsmaßnahmen konnte
auch die Planungskapazität der Firmen entscheidend verbessert werden. Vor
Beginn des Projekts wurden die Solaranlagen vor allem nach Faustregeln und Erfahrungswerten
dimensioniert - nun stehen ausgebildete Fachkräfte und Simulationsprogramme
zur Verfügung, die es erlauben, auch größere Anlagen fachgerecht
zu planen.
Abbildung 5: Boilerproduktion
Öffentlichkeitsarbeit
Da die firmenunabhängige Information der Konsumenten ein wesentlicher
Teil einer erfolgreichen Einführung einer neuen Technologie darstellt,
wurde von der mazedonischen Konsumentenschutzvereinigung OPM eine umfangreiche
Informationskampagne durchgeführt. Die Informationskampagne war in zwei
Phasen gegliedert. Die erste Phase konzentrierte sich auf die generelle Information
über die Möglichkeiten der solaren Warmwasserbereitung. In der zweiten
Phase wurde insbesondere auf Qualitätskriterien beim Kauf von thermischen
Solaranlagen hingewiesen.
Insgesamt wurden bei zahlreichen Informationsveranstaltungen und bei der Messe
“TECHNOMA 2007” 31.000 Informationsbroschüren in mazedonischer
Sprache und 5.000 Informationsbroschüren in albanischer Sprache verteilt.
Alle Materialien der Kampagne sind nun bei OPM als kompakte Broschüre erhältlich.
Die Broschüre kann aber auch von der Internetseite von OPM und der mazedonischen
Solarindustrievereinigung „Solar Mazedonia“ geladen werden (www.opm.org.mk).
Solarenergievereinigung “Solar Macedonia”
Ein indirektes Ergebnis des Projekts in Mazedonien ist auch die Gründung
der Solarenergievereinigung „Solar Mazedonia“, die Ende des Jahres
2006 von Solartechnikunternehmen, Wissenschaftlern und Privatpersonen gegründet
wurde. Mit der Gründung dieser Vereinigung hat Mazedonien nun neben dem
Solartestzentrum einen starken institutionellen Hintergrund, der einen wesentlichen
Schritt zu dem Ziel beiträgt, ein regionales Zentrum für thermische
Solarenergie zu werden.
Die Gründung von Solar Mazedonia eröffnete auch die Möglichkeit
zum Beitritt zur “European Solar Industry Federation” (ESTIF), dem
Dachverband der europäischen Solarindustrie. Dies stellt einen wesentlichen
Schritt zur Integration in europäische Netzwerke dar.
*) Dipl.-Päd. Ing. Werner Weiss ist Geschäftsführer der AEE - Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf. w.weiss@aee.at [^]