Solarthermie
Abbildung
1: Vakuumröhren-Solarluftkollektorfeld
27,3 m²
Nachrichten über die globale Klimaerwärmung, Klimakatastrophen und Klimaschutz häufen sich mehr und mehr rund um den Globus. Beispiele sind jedem bekannt. Eine Möglichkeit gegen die globale Klimaerwärmung vorzugehen, ist die Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei der Energiegewinnung, u.A. durch die Nutzung der Sonnenenergie. Diese wird z.B. durch Energieeinspeisegesetze und durch die Förderung von solarthermischen Anlagen für z.B. die Brauchwassererwärmung im privaten Bereich oder für industrielle Prozesswärme (z.B. in Wäschereien, Galvanikbetrieben oder Lackierereien) gefördert.
Vakuumröhren-Luftkollektor für hohe solare Deckungsgrade
Von Thorsten Siems und Kurt Schüle *
Warum ein neuer Kollektor?
Des Weiteren werden auch die stetig steigenden Preise für Erdöl und
Erdgas die Energienutzung und -gewinnung durch den Menschen in den nächsten
Jahren beeinflussen. Sichere und krisenunabhängige Energie wird teurer
und die sich erneuernden Quellen müssen richtig und effektiv genutzt werden.
Bei der solaren Wärmegewinnung, die bis jetzt oft nur für den Warmwasserbereich
eingesetzt wird, sind die „kleinen“ solarthermischen Anlagen, die
derzeit installiert werden, nicht ausreichend. Um einen hohen solaren Deckungsanteil
zu erzielen, müssen große heizungsunterstützende Solarkollektorfelder
installiert werden, welche ein hohes Einsparpotenzial an Primärenergie
bieten.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden hat die Kollektorfabrik®
in March-Buchheim seit 2005 einen stillstandssicheren und eigensicheren
Solarluftkollektor namens “Sun-Storm” entwickelt (siehe Abbildung
1). Ein signifikanter Unterschied zu anderen auf dem Markt befindlichen Solarluftkollektoren
ist der Kollektoraufbau mit Vakuumröhren anstelle eines Flachabsorbers.
Durch dieses Konzept werden deutlich höhere Temperaturen bei einem guten
Wirkungsgrad erreicht.
Vor- und Nachteile von Solarluftkollektoren
Vorteile
Nachteile
Bei der gewählten Konstruktion (s.u.) überwiegen die Vorteile.
Besonderheiten des Kollektors
Die Konstruktionen der aktuell auf dem Markt erhältlichen Solarluftkollektoren
beruhen immer auf der Grundlage eines Flachabsorbers. Für viele unterschiedliche
Einsatzgebiete von Solarluftkollektoren kann des Weiteren noch zwischen abgedeckter
und unabgedeckter Variante unterschieden werden. Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete
dieser Solarluftkollektoren liegen bei Systemtemperaturen bis ca. 100 °C.
Das Hauptziel bei der Neuentwicklung des Solarluftkollektors “Sun-Storm”
war ein Kollektor für Lufttemperaturen über 100 °C. Deshalb fiel
die Entscheidung auf eine andere Absorbervariante. Die Verwendung von Vakuumröhren
ermöglicht Lufttemperaturen über 120 °C bei einem guten Kollektorwirkungsgrad.
Auch die Anordnung der Vakuumröhren am Kollektorsammelgehäuse (siehe
Abbildung 1), das sich in der Mitte von zwei Vakuumröhrenreihen
befindet, trägt dazu bei.
Durch die variable Konstruktion mit Vakuumröhren und dem internen Aufbau
des Kollektors werden ab Frühjahr 2009 verschiedene Kollektorvarianten
verfügbar sein. Diese Varianten werden sich aufgrund unterschiedlicher
Gehäuselängen und verschiedener Vakuumröhrenlängen von 500
mm bis 2100 mm besonders gut an den Installationsort anpassen lassen. Durch
diese Vielfalt sind verschiedene Bruttoflächen von 0,8 m² für
kleine Lüftungskonzepte bis hin zu 9,2 m² je Kollektormodul realisierbar.
Durch Verwendung von Luft als Wärmeträger und der speziell entwickelten
Kollektorabdichtung ist die Montage von 0° bis 90° erlaubt. Diese nahezu
unbegrenzten Montagemöglichkeiten des Kollektors stellen für Planer
und Architekten einen weiteren interessanten Aspekt dar.
Anwendungsgebiete
Den Einsatzmöglichkeiten von einem Vakuumröhren-Luftkollektor sind kaum Grenzen gesetzt. Besonders gut eignen sich Prozesse, bei denen direkt warme oder heiße Luft benötigt wird. Anwendungen sind z.B. Luftvorwärmungen bei kontrollierten Lüftungsanlagen, Trocknungsprozesse (z.B. für Pellets oder Sorptionsmaterialien) und solare Kühlungssysteme mit offenem Lüftungskreis. Durch den guten Kollektorwirkungsgrad bei höheren Temperaturen können mit Hilfe eines Luft-Wasser-Wärmeübertragers (z.B. Lamellenwärmetauscher) auch Flüssigkeiten erwärmt werden. Durch die Verwendung von Luft im Kollektorkreis kann das System auch während einer Stillstandsphase mit Temperaturen über 200 °C problemlos eingeschaltet werden. Hierfür werden die Volumenströme im Luftkreis und z.B. Wasserkreis aufeinander abgestimmt.
Betriebspunkte
In den Abbildungen 2 und 3 sind jeweils zwei Kennlinien (reale
Messdaten, nicht simuliert) dargestellt. Auf der linken Achse sind die Absorbertemperaturen
in der Vakuumröhre und auf der rechten Achse die globale Sonneneinstrahlung
aufgetragen.
In Abbildung 2 ist die Sonneneinstrahlung sehr gering (bedeckter
Herbsttag, Außentemperatur < 8 °C). Trotz kleiner Einstrahlungsintensität
können Nutztemperaturen bis ca. 33 °C erreicht werden. Solche niedrigen
Temperaturen können nur mit Solarluftkollektoren zur direkten Luftvorwärmung
in Lüftungsanlagen verwendet werden. Am Testtag war die Lüftungsanlage
von 10:15 bis 17:00 Uhr eingeschaltet.
Abbildung
2: Messdaten von einem Solarluftkollektorfeld
an einem bedeckten Tag
In Abbildung 3 wird ein Start aus einer Stillstandssituation nachgeahmt. Die Absorbertemperatur in der Vakuumröhre beträgt zum Zeitpunkt des Einschaltens des Ventilators 216 °C (Uhrzeit 13:50). Durch das Wärmeträgermedium Luft ist so eine Situation für den Solarluftkollektor nur ein “normaler” Betriebspunkt. Eine Beschädigung des Wärmeträgers, der Solarkreiskomponenten und des Kollektors bleibt aus.
Abbildung 3: Messdaten von einem Solarluftkollektorfeld während einer Stillstandsphase des Kollektorkreises
Realisierungsmöglichkeiten
Mit diesen Kollektoren lassen sich große solare Heizungssysteme mit hohen
solaren Deckungsanteilen realisieren, welche Sommerperioden ohne Beschädigungen
durch Anlagenstillstände überstehen. Für z.B. Supermärkte
oder Autohäuser können große Felder als Carports oder als Vordächer
installiert werden. Dabei kann der Kollektor für die Heizung, für
die solare Kühlung sowie als Schattenspender eingebunden werden. In
Abbildung 4 ist eine Freiaufständerung mit einem Kollektorfeld
(Bruttofläche = 45 m²) abgebildet.
In Abbildung 5 ist die Sicht durch einen Kollektor von hinten
dargestellt. Mit Kollektoren ohne Spiegel hinter den Vakuumröhren können
einfache Verschattungselemente realisiert werden. Durch die unbegrenzte Montagemöglichkeit
können die Vakuumröhren vertikal installiert werden, z.B. bei einer
Fassadeninstallation. Somit dienen die Kollektoren im Sommer durch den hohen
Sonnenstand als Sonnenschutz und zugleich als Wärmelieferant für solare
Kühlsysteme. Bei Verwendung der Kollektoren als Verschattungselemente können
die Kühlsysteme kleiner dimensioniert werden. Im Winter dagegen scheint
die Sonne durch die Röhrenzwischenräume. Dadurch kann mehr “natürliches”
Licht ins Gebäude eindringen und zugleich kann ein Teil der Sonneneinstrahlung
für die solare Heizungsunterstützung verwendet werden.
Abbildung 4: Freiaufständerung Kollektorfeld mit einer Bruttofläche von 45 m² (bestehend aus 5 Vakuumröhren-Luftkollektoren)
Abbildung 5: Sicht durch einen Vakuumröhren-Luftkollektor von hinten
Aktuell geförderter Feldtest
Um mehr Erfahrungen zu sammeln, wie sich diese Kollektoren im praktischen täglichen Einsatz verhalten, wurde im Juli 2008 ein von der “Deutsche Bundesstiftung Umwelt” gefördertes Projekt für einen Feldversuch mit diesen Kollektoren gestartet. Dabei erstellt die Kollektorfabrik® mehrere Solarluftkollektorfelder und das Fraunhofer Insitut für solare Energiesysteme in Freiburg führt ein Monitoring der Anlagen durch. Dabei wird untersucht, wie sich die Kollektoren in solaren Heizungsunterstützungen wirtschaftlich, ökologisch und technisch verhalten und bewertet werden können. Verschiedene Regelstrategien werden eingesetzt und mit Hilfe der mitgeloggten Messdaten untersucht.
*) Dipl.-Ing. (FH) Thorsten Siems und B. Eng. Kurt Schüle sind Gesellschafter der Kollektorfabrik® – K. Schüle & T. Siems GbR, info@kollektorfabrik.de, www.kollektorfabrik.de [^]