Nachhaltige Gebäude
Abbildung
1: Dieselweg in Graz nach der Renovierung
Der Bereich „hochwertige nachhaltige Sanierung von Wohnbauten“ nimmt in vielen EU Ländern einen hohen Stellenwert ein. Erfahrungen aus nationalen und internationalen Forschungsarbeiten im Bereich „Neubau“ zeigen, dass ganzheitliche Betrachtungsweisen unter Berücksichtigung von innovativen Gebäudetechnologien zielführend sind.
Hochwertige
thermische Sanierung mit vorgefertigten Fassadenelementen
IEA ECBCS Annex 50
Entscheidend bei der energetischen Gebäudesanierung ist, dass zukünftig
im Zuge von Standardsanierungen hochwertige energetische Maßnahmen umgesetzt
und erneuerbare Energieträger in die Energieversorgung integriert werden.
Als wesentlicher technischer Erfolgsfaktor erscheint hierbei die Übertragung
von bewährten Technologien aus dem Neubau von Passiv- und Niedrigenergiehäusern
in Verbindung mit der notwendigen Anpassung an die Erfordernisse des Gebäudebestandes.
Grundlagen und Voraussetzungen solcher Lösungsmöglichkeiten werden
in einem Forschungsprojekt im Rahmen von IEA ECBCS ANNEX 50 erarbeitet, in Demoprojekten
in enger Zusammenarbeit mit der Industrie umgesetzt und die Umsetzungsqualität
mittels Monitoring kontrolliert.
Ein wesentliches Ziel ist es, völlig neue Wege im Sanierungsprozess zu
beschreiten und ganzheitliche Konzepte für den typischen Geschoßwohnbau
zu entwickeln. Dadurch ist es möglich, die Sanierungen von großvolumigen
Bauten auf höchsten energetischen Niveau (Passiv- und Niedrigstenergiehausstandard)
bei gleichzeitig hoher Nutzerakzeptanz in der Umsetzungsphase („Bewohnte
Baustelle“) zuzulassen. Weitere Komponenten, wie Komfortverbesserung,
Behaglichkeit und Leistbarkeit sind wichtige Voraussetzung für eine zukünftige
Umsetzung.
Maßgebende Entwicklungskomponenten sind dabei ganzheitliche Dach- bzw.
Fassadenlösungen, die sich durch einen hohen Vorfertigungsgrad, eine gute
Integrationsmöglichkeit von Energiefassaden bzw. -dächer und eine
Komplett-Integration der Energieverteil- und Abgabesysteme auszeichnen.
Im Rahmen des Forschungsprojektes IEA ECBCS Annex50 wurde ein Demoprojekt in
Graz (Dieselweg) geplant, energetisch und bautechnisch optimiert und mittels
vorgefertigter Fassadenelemente umgesetzt. Dabei wurden alle wärme-, feuchte-,
brandschutz- und schallschutztechnischen Anforderungen berücksichtigt.
Die Integration der neuen haustechnischen Anlagen von außen in die Fassadenkonstruktion
ermöglicht eine geringe Belästigung für die Bewohner während
der Bauphase. Somit entsteht ein Vorzeigeprojekt, welches zukunftsweisend für
weitere Sanierungen sein kann.
Abbildung 2: Graz-Dieselweg, Errichtung der neuen Fassade
Demoprojekt Graz-Dieselweg
Aufbauend auf die erarbeitenden Ergebnisse des Forschungsprojektes werden in
Graz drei Projekte umfassend thermisch hochwertig saniert und gleichzeitig die
veraltete Gebäudetechnik erneuert. Es wird dabei versucht, einen möglichst
hohen Vorfertigungsgrad und eine hohe Nutzerakzeptanz zu erzielen. Die Sanierung
erfolgt fast ausschließlich von außen, d.h. die Bewohner müssen
währenddessen nicht umgesiedelt werden.
Durch die Verglasung der erweiterten Balkone konnten einerseits die Wärmebrücken
reduziert und andererseits zusätzlich wertvoller Wohnraum geschaffen werden.
Durch die großen Wärmedämmdicken vorgefertigter großflächiger
Energiefassadenelemente, die Einplanung von Passivhausfenstern, sowie den Einbau
von dezentralen Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung kann
zukünftig ein Passivhausstandard erreicht werden. Der Energiekennwert für
die Heizwärme kann durch diese Maßnahmen rechnerisch von 184 auf
10 kWh/m²a reduziert werden.
Abbildung 3: Vorfertigung der Fassadenteile in der Halle (Quelle Fa. Kulmer)
Abbildung 4: Montage der Fassade
Umsetzung
Die hochwertige thermische Sanierung der Gebäudehülle wurde nach einer exakten Bauaufnahme und Vorfertigung in drei Arbeitsschritten durchgeführt:
Somit war eine minimale Belästigung der Bewohner während der Sanierungsphase
möglich.Die vorgefertigten Module (Größe ca. 12,0 x 3,0 m) wurden
mittels Autokran von unten beginnend übereinander gesetzt und miteinander
über eine Stufenfalzausbildung verbunden. Anschließend wurden die
Balkoneinhausungen (ebenfalls in Passivhausqualität) bewerkstelligt.
Der „gewonnene“ zusätzliche Raum dient einerseits als Wärmepuffer
und andererseits als Zusatzwohnraum. Die Beheizung erfolgt durch außenliegende
Flächenheizelemente, welche die Grundheizung darstellen – als Zusatzheizung
bzw. zur Abdeckung von Lastspitzen dient die dezentrale Lüftungsanlage
mit Wärmerückgewinnung.
Abbildung 5: Das MFH Dieselweg vor bzw. nach der Sanierung
Ausblick
In weiteren Forschungsvorhaben soll die Optimierung der Fassaden- und Dachmodule
weiter vorangetrieben werden. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die Installationsmodule,
deren Fügungstechnik und nachträgliche Zugänglichkeit gelegt
werden. Die Integration von so genannten Energiefassaden, wie PV-Module oder
thermische Fassadenkollektoren in die vorgefertigten Elemente, sowie eine Optimierung
der Wirtschaftlichkeit sind weitere Hauptziele.
Ziel der zukünftigen energetischen Gebäudesanierung ist es daher,
völlig neue Wege im Sanierungsprozess zu beschreiten und ganzheitliche
integrale Konzepte für den Geschoßwohnbau in Österreich zu entwickeln,
sowie die Sanierungen von großvolumigen Bauten auf höchstem energetischen
Niveau bei gleichzeitig hoher Nutzerakzeptanz in der Umsetzungsphase zu ermöglichen.
Somit können einerseits die Energiekosten wesentlich reduziert und andererseits
die Behaglichkeit für die Nutzer gesteigert werden.
Hinweise
und weitere Informationen |
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Bauträger: |
GIWOG - Gemeinnützige Industrie-Wohnungs-AG, Linz, www.giwog.at | |
General-unternehmer: |
gap-solution GmbH, Leonding, www.gap-solution.at | |
Beratung: |
AEE INTEC, Gleisdorf, www.aee.at | |
*) Dipl. Ing. Dr. techn. Karl Höfler ist Leiter der Abteilung für nachhaltige Gebäude bei der AEE INTEC in Gleisdorf, k.hoefler@aee.at [^]