Solarthermie
Abbildung 1:
Links: PV-Zelle (Quelle: Peter
Biermayr);
Mitte: Solarthermie (Quelle: Bernhard
Baumann);
Rechts: Erdregister (Quelle: Ochsner
Wärmepumpen)
Trotz beginnender Wirtschaftskrise können Photovoltaik, Solarthermie und Wärmpumpen im Jahr 2008 auf ein starkes Marktwachstum, sowohl im Inlandsmarkt als auch im Exportmarkt verweisen. Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie weisen damit den Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem, in dem positive wirtschaftliche, ökologische und volkswirtschaftliche Effekte ineinander greifen.
Photovoltaik,
Solarthermie und Wärmepumpen in Österreich
Marktentwicklung 2008
Von Peter Biermayr, Werner Weiss und Natalie Glück *
Die Marktentwicklung der Technologien Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen
sowie deren volkswirtschaftliche Auswirkungen sind für viele Akteursgruppen
von großem Interesse. Für Technologieproduzenten und deren Vorleister,
den Handel und Vertrieb sowie Installationsunternehmen sind Marktinformationen
von strategischer Bedeutung. Doch auch für Wissenschaft und Forschung stellen
Marktdaten wertvolle Informationen für weitere Analysen dar. Und nicht
zuletzt wird die Wirksamkeit energiepolitischer Instrumente aufgrund der dokumentierten
Marktentwicklung für energiepolitische Akteure überprüfbar.
Im vorliegenden Beitrag wird die Marktentwicklung der genannten Technologien
dargestellt und die damit in Zusammenhang stehenden Auswirkungen wie Umsätze,
Arbeitsplatzeffekte und CO2-Einsparungen werden dokumentiert. Die
Ergebnisse resultieren aus der Auswertung von empirischen Erhebungen im Bereich
der Technologieproduzenten, der Vertriebsfirmen, der Förderungsstellen
der Länder, der Kommunalkredit Public Consulting GmbH sowie weiteren technologiespezifischen
Datenquellen. Angaben über den historischen Verlauf der Technologiediffusion
sind vor allem den Arbeiten Faninger (2007) und Biermayr et al. (2008) entnommen.
Abbildung 2: Jährlich installierte PV-Leistung in kWpeakvib 1992 bis 2008 (Quelle: bis 2006: Faninger (2007); ab 2007 arsenalresearch)
Die Marktentwicklung der Photovoltaik
Die Marktentwicklung der Photovoltaik (autarke plus netzgekoppelte Anlagen)
weist einen Anstieg des Inlandsmarktes von 2.116 kWpeak im Jahr 2007
auf 4.686 kWpeak im Jahr 2008 auf, was einem Wachstum von 121% entspricht.
Die historische Entwicklung des österreichischen Photovoltaik-Inlandsmarktes
ist in Abbildung 1 dargestellt und weist ein ausgeprägtes Diffusionsmaximum
im Jahr 2003 mit 6.472 kWpeak auf. Die Entwicklung ist auf die im
Jahr 2002 wirksam gewordenen und bereits im Jahr 2004 erschöpften Anreize
durch das Ökostromgesetz 2001 zurückzuführen. Der Markteinbruch,
der im Jahr 2006 seinen Tiefpunkt erreicht hatte, kennzeichnet auch gleichsam
die Unterbrechung der wesentlichen anreizorientierten Instrumente. Der neuerliche
Aufschwung 2008 ist mitunter auf eine Sonderförderung des Klima- und Energiefonds
zurückzuführen, wobei der Spitzenwert der Marktdiffusion von 2003
noch nicht erreicht werden konnte.
Die kumulierte Photovoltaik-Anlagenleistung in Österreich betrug im Jahr
2008 32,4 MWpeak, was eine mittlere Stromproduktion von ca. 29 GWhel
zur Folge hatte. Dies entspricht weiters einer CO2-Einsparung von
ca. 24.400 Tonnen. (Angenommen wurde die Substitution von Strom
aus Kohlekraftwerken mit einem Emissionskoeffizienten von 837 g/kWhel.)
Die Exportquote bei Photovoltaikmodulen betrug im Jahr 2008 ca. 95%. Die weiterhin
wachsenden Produktionsbereiche der Nachführsysteme und der Wechselrichter
weisen noch höhere Exportquoten nahe 100% auf. In den Betrieben der Photovoltaik-Branche
waren im Jahr 2008 1.762 Vollzeit-Arbeitsplätze zu verzeichnen.
Die weitere technologische Entwicklung der Photovoltaik ist auf die Steigerung
der Marktdiffusion ausgerichtet und beschäftigt sich stark mit der Systemoptimierung
hinsichtlich technischer Merkmale wie den Wirkungsgraden der Komponenten und
ökonomischer Merkmale wie den Systemkosten, welche noch immer das zentrale
Hemmnis für eine stärkere Marktdiffusion darstellen.
Die Marktentwicklung der Solarthermie
Die Entwicklung des Solarthermiemarktes in Österreich ist durch stark
wachsende Verkaufszahlen gekennzeichnet. Im Jahr 2008 wurden in Österreich
362.923 m² thermische Sonnenkollektoren installiert, was einer installierten
Leistung von 254 MWth entspricht. Bezogen auf 2007 betrug der Zuwachs
25%. Die historische Marktentwicklung in Österreich ist in Abbildung
3 dargestellt.
Die im Jahr 2008 in Österreich installierte Kollektorfläche setzt
sich aus 343.617 m² (240,5 MWth) verglaste Flachkollektoren,
4.086 m² (2,9 MWth) Vakuumrohr-Kollektoren und 15.220 m²
(10,7 MWth) unverglaste Schwimmbadabsorber zusammen. Die neu installierten
Kollektoren waren somit zu 94,7% verglaste Flachkollektoren welche hauptsächlich
im Bereich der Brauchwassererwärmung und Raumwärmebereitstellung zum
Einsatz kamen. Unter der Berücksichtigung einer technischen Lebensdauer
von 25 Jahren waren 2008 in Österreich ca. 3,96 Mio. m² thermische
Sonnenkollektoren in Betrieb, was einer Leistung von 2.775 MWth entspricht.
Der Nutzwärmeertrag dieser Anlagen wurde mit 1.330 GWhth ermittelt,
was wiederum eine CO2-Einsparung von 545.150 Tonnen bewirkt. (Angenommen
wurde die Substitution von Ölkessel und Heizöl extraleicht mit einem
Emissionskoeffizienten von 270 g/kWh Endenergie.)
Abbildung 3: Jährlich installierte Kollektorfläche in Österreich von 1976 bis 2008; (Quelle: bis 2006: Faninger (2007); ab 2007: AEE INTEC)
Der Exportanteil thermischer Kollektoren betrug im Jahr 2008 79,8%. Der Umsatz
der Solarthermiebranche wurde für das Jahr 2008 mit 590 Mio. Euro abgeschätzt,
die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze kann mit ca. 7.400 beziffert werden.
Die zukünftige technologische Herausforderung im Bereich der Solarthermie
liegt in der Steigerung der solaren Deckungsgrade, welche direkt mit der Verfügbarkeit
von Wärmespeichern mit hohen Energiedichten zusammenhängen. Die weitere
Diversifizierung auf unterschiedliche Anwendungen (gewerblich-industrielle Anwendungen,
solare Kühlung, solare Wärmenetze) stellt ebenfalls einen zukunftsweisenden
Bereich der Forschung und Entwicklung dar.
Die Marktentwicklung der Wärmepumpen
Im österreichischen Wärmepumpenmarkt wurden im Jahr 2008 18.690 Anlagen (alle Typen und Leistungsklassen) verkauft. Dies waren um 23,4% mehr Anlagen als im Jahr 2007, wobei die Heizungswärmepumpen ein Plus von 21,4% und die Brauchwasserwärmepumpen ein Plus von 30,8% zu verzeichnen hatten. Die Marktdiffusion von Lüftungswärmepumpen stagnierte im Jahr 2008. Die historische Entwicklung des Inlandsmarktes ist in Abbildung 4 dargestellt. Zu beobachten ist eine starke Umstrukturierung des Marktes von Brauchwasserwärmepumpen (1980er und 1990er Jahre) hin zu Heizungswärmepumpen (ab 2000). Die Hintergründe liegen dabei auch an den günstigen heiztechnischen Eigenschaften moderner Gebäude (geringe Heizlast, geringer Heizwärmebedarf und geringe Vorlauftemperaturen), welche einem energieeffizienten Einsatz von Wärmepumpen sehr entgegen kommen.
Abbildung 4: Jährlich verkaufte Wärmepumpen in Österreich von 1976 bis 2008 (Quellen: bis 2006: Faninger (2007), ab 2007: EEG)
Unter Berücksichtigung einer technischen Anlagenlebensdauer von 20 Jahren
waren in Österreich im Jahr 2008 156.482 Wärmepumpen in Betrieb. Diese
Anlagen konnten 1.210 GWh Umgebungswärme nutzbar machen, wobei unter der
Berücksichtigung des Strombedarfes für den Antrieb der Wärmepumpen
eine CO2-Nettoeinsparung von 497.297 Tonnen zu verzeichnen ist. (Angenommen
wurde die Substitution von Ölkessel und Heizöl extraleicht mit einem
Emissionskoeffizienten von 270 g/kWh Endenergie. Die Antriebsenergie wurde mit
dem mittleren österreichischen Strommix von 2008 auf Monatsbasis bewertet:
Mittelwert 298 g CO2/kWhel, HGT20/12 gewichtet: 346 g
CO2/kWhel.)
Der Exportanteil des österreichischen Gesamt-Wärmepumpenmarktes betrug
im Jahr 2008 37,0% und ist damit im Vergleich zum Jahr 2007 um 3,5 Prozentpunkte
gestiegen. Für die Wärmepumpenbranche wurde für das Jahr 2008
ein Umsatz von 219 Mio. Euro abgeschätzt wobei durch die einschlägige
Wirtschaftstätigkeit 1.484 primäre Arbeitsplätze gesichert wurden.
Das am stärksten verbreitete Wärmequellensystem im Jahr war Sole/Wasser
mit 45,0% Marktanteil, gefolgt von Luft/Wasser mit 30,9%, Wasser/Wasser mit
11,3%, Direktverdampfung mit 9,0% und Luft/Luft mit 3,7%. Hierbei sind Sole/Wasser
und Direktverdampfungssysteme tendenziell rückläufig, die Marktanteile
von Luft/Wasser Systemen steigen stark an. Im Marktsegment Kühlung und
Klimatisierung kann die Wärmepumpentechnologie durch die entsprechenden
technischen Möglichkeiten der Marktentwicklung rasch folgen. Weitere innovative
technologische Ansätze betreffen die Nutzung neuer Wärmequellenanlagen
in geothermischen oder auch tiefbautechnischen Bereichen. Technologiesprünge
bezüglich der zugrunde liegenden prinzipiellen Mechanismen bzw. der Anlageneffizienz
sind in Zukunft nicht zu erwarten, da die Annäherung an die thermodynamisch
vorgegebenen Grenzen bereits fortgeschritten ist. Eine große Chance liegt
jedoch in der neuen Kombination von bereits bekannten Technologien wie in der
Kopplung der Wärmepumpe mit solarthermischen Anlagen. Als Antriebsenergie
für Wärmepumpensysteme werden in Zukunft Erdgas oder andere energetisch
nutzbare Gase eine zunehmende Rolle spielen.
Schlussfolgerungen
Schlussfolgernd kann ein stark wachsender volkswirtschaftlicher Nutzen der
untersuchten Technologien für Österreich ausgewiesen werden. Technologien
zur Nutzung erneuerbarer Energie stellen für Österreich ein wesentliches
und vor allem nachhaltiges wirtschaftliches Standbein dar, das positive wirtschaftliche,
ökologische und volkswirtschaftliche Effekte vereint. Die nationalen energiepolitischen
Rahmenbedingungen haben einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Marktdiffusion
im Inland, wobei der Inlandsmarkt wiederum eine wesentliche Grundlage für
den Exportmarkt darstellt.
In diesem Sinne und in Anbetracht der ambitionierten nationalen und europäischen
Ziele zur Forcierung erneuerbarer Energie hat die österreichische Energiepolitik
hier die Chance, erfolgreiche Technologielinien mit wirksamen energiepolitischen
Instrumenten weiter aufzubauen. Zur Erreichung der gesteckten Ziele ist eine
energiepolitische Strategie erforderlich, die zu langfristig wirksamen, kalkulierbaren
und verlässlichen energiepolitischen Rahmenbedingungen führt um die
unterschiedlichen Akteursgruppen beginnend vom Konsumenten bis zum Technologieproduzenten
zum raschen Handeln zu bewegen.
| Literatur
|
*)
Dipl.-Ing. Dr. Peter Biermayr
ist Mitarbeiter der Energy Economics Group (EEG) an der Technischen Universität
Wien, E-Mail: biermayr@eeg.tuwien.ac.at
Dipl.-Päd. Ing. Werner Weiss ist
Geschäftsführer der AEE INTEC, E-Mail: w.weiss@aee.at
Mag. (FH) Natalie Glück
ist Mitarbeiterin des Austrian Institute of Technology – arsenal research,
E-Mail: natalie.glueck@arsenal.ac.at [^]