Nachhaltige Gebäude
Abbildung 1:
Beispiele der Montage vorgefertigter Fassadenelemente (Quelle:
Streicher)
Viele größere Gebäude werden
heute in Stahlskelettstruktur mit anschließender nichttragender Beplankung
durch vorgefertigte Fassadenelemente pro Rastermaß und Stockwerk gebaut.
Fallweise werden auch größere Fassadenelemente verwendet. Diese Elemente
beinhalten normalerweise nur Fenster und Wärmedämmung (fallweise auch
Verschattungssysteme) und sind für die Erfordernisse der Bauphysik (Akustik,
Brandschutz, Feuchtetransport, Belichtung) ausgelegt.
Multifunktionelle Plug & Play Fassade (MPPF)/ K-Projekt (Comet Programm)
Von W. Streicher und M.J. Mueller *
Die Bauindustrie macht derzeit im großvolumigen Geschoßbau aufgrund des Kostendrucks einen Wandel von der Einzelfertigung vor Ort zur Modulbauweise aus vorgefertigten Bauteilen (siehe Abbildung 1) durch. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Fassadenbau.
Vor- und Nachteile multifunktioneller Fassaden
Multifunktionelle Fassaden stellen eine Erweiterung der klassischen Fassadenfunktionen
um weitere Haustechnikbereiche wie z.B. Haustechnik (Verschattungssysteme, Heizung-,
Lüftung-, Klimatechnik, Elektro- und IT-Installationen, Beleuchtung und
EMV-Verträglichkeit) sowie ev. Solarthermie oder Photovoltaik.
Die Einsatzgebiete von solchen Fassaden finden sich sowohl im Neubau als auch
in der Sanierung von Gebäuden.
Neubau
Die Erweiterung der Fassadenfunktion bringt im Neubau die folgenden Vorteile
mit sich:
Sanierung
Im Altbau ermöglichen multifunktionelle Fassaden die Sanierung
der Gebäude von „außen“ ohne dass die Benutzer das Haus
verlassen müssen (siehe Abbildungen 2a und
2b). Die Fassade hat eine hohe Wärmedämmung und Fenster können
an den gleichen Positionen wie in der alte Fassadenstruktur bleiben. Die Speichermassen
der alten Fassade stehen dem Gebäude innen zur Dämpfung von Temperaturschwankungen
und besonders der sommerlichen Überwärmung zur Verfügung. Die
Wohnfläche bleibt gleich.
Nach dem Anbringen der neuen Fassade müssen nur mehr die inneren Fenster
entfernt werden und Zu- und Abluftkanäle (falls eine mechanische Lüftung
vorgesehen ist) angebracht werden. Hiermit stellt eine solche Fassadenentwicklung
eine interessante technische Lösung für die Erhöhung der Sanierungsquote
im primären Geschoßwohnbau dar.
Abbildung
2a und b:
a: Renovationskonzept
Gebäudesanierung
b: Sanierung
der Gebäudehülle von außen:
Dach [1+2];
Lüftungsverteilung wird außen montiert [3];
Fassadenmodule werden montiert [4+5];
Kellerisolation [6]
(Quelle: Zimmermann, 2006, EMPA, Schweiz)
Einsatzgrenzen der Lüftungsfunktionen der Multifunktionellen Fassade
Das Projekt MPPF
Gesamtprojekt
Das Ziel des K-Projektes „Multifunctional Plug&Play Facade“
ist die Entwicklung einer Technologieplattform für eine intelligente, multifunktionelle
Fassade in Modulbauweise mit einem möglichst hohen Vorfertigungsgrad für
den Neubau von größeren Gebäuden sowie die Renovierung von bestehenden
Objekten.
Wesentliche Charakteristika für diese Technologieplattform für Fassaden
sind:
Um das Projektziel zu erreichen ist es notwendig prinzipiell neue Varianten von Fassadensystemen zu entwickeln, diese zu simulieren und zu evaluieren. Im Besonderen steht die Weiterentwicklung von Einzeltechnologien und -produkten im Bereich Solarthermie, Photovoltaik, HVAC und Steuer- und Regelungstechnik für den optimalen Fassadeneinsatz im Vordergrund. Parallel dazu erfolgt die grundlegende Entwicklung eines Gesamtkonzepts für ein integriertes Modulsystem, das als Plug & Play-Anwendung für Neubauten und Renovierungsvorhaben geeignet ist. Der wissenschaftliche und technische Anspruch zur Entwicklung der geplanten Technologieplattform beinhaltet hierbei die folgenden Elemente:
Dieses Thema hat auf Grund der bereits erwähnten Umweltschutz- bzw. Gesetzesentwicklungen
auf europäischer wie nationaler Ebene höchste Priorität. Die
Chancen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Umsetzung der Forschungs-
und Entwicklungsergebnisse sind als äußerst hoch zu bewerten.
Das Projekt gliedert sich in 5 Teilprojekte (siehe
Abbildung 3), wobei ein Projekt als Ideenfindungs- und Basisprojekt
mit der Plattformentwicklung für die Fassade und Klammer für die speziellen
4 Technikprojekte fungiert.
Abbildung 3: Gliederung des K-Projektes
Das Konsortium setzt sich aus unterschiedlichen, für das Thema relevanten,
wissenschaftlichen Partnern sowie Unternehmenspartnern zusammen. Gemessen an
den Projektkosten werden 1/3 der Leistungen seitens der wissenschaftlichen Partner
abgedeckt, 2/3 seitens der Unternehmenspartner. Auf wissenschaftlicher Seite
sind 4 Partner in das Projekt integriert (siehe Tabelle
1), auf Unternehmensseite finden sich 10 Partner verschiedenster Größenordnungen,
d.h. vom Gründer bis zum internationalen Konzern. Dieses breite Konsortium
ist für das vorliegende Thema unabdingbar, weil verschiedenste Anwendungen
und Technologien auf einer Technologieplattform zusammengeführt werden
sollen. Alle oben erwähnten zu integrierenden Technologien und Produkte
sind durch Partner abgedeckt.
Der Hauptstandort des Projektes befindet sich in der Steiermark, im Hans Höllwart
- Forschungszentrum für integrales Bauwesen AG (kurz FIBAG) in Stallhofen
sowie an der TU Graz (Institut für Wärmetechnik) und Arsenal Research
(Wien), die Konsortialführerschaft obliegt FIBAG, die wissenschaftliche
Gesamtleitung dem Institut für Wärmetechnik der TU Graz.
Tabelle 1: Partner des K-Projektes
| Unternehmenspartner |
| Hans Höllwart - Forschungszentrum für integrales Bauwesen AG / Stallhofen |
| SFL Metallbau GmbH / Stallhofen |
| RESI Informatik & Automation GmbH / Graz |
| Saubermacher Dienstleistungs AG / Graz |
| ISOVOLTA Österreichische Isolierwerkstoffe AG / Werndorf |
| SLS Praun & Gerstmann GmbH / Graz |
| GREENoneTEC Solarindustrie GmbH / St. Veit a.d. Glan |
| Ertl Glas AG / Amstetten |
| Pagitz Metalltechnik GmbH / Spital a. d. Drau |
| Sonnenkraft Österreich Vertriebs GmbH / St. Veit a. d. Glan |
| pgg blueberg engineering GmbH |
| Wissenschaftliche
Partner |
Technische Universität Graz:
|
| arsenal research Österreichisches
Forschungs und Prüfzentrum Arsenal Ges.m.b.H. / Wien |
| Technische Universität Wien: Institut für Architekturwissenschaften |
Teilprojekt Basis für MPPF
Im Teilprojekt „P1 - Basis für MPPF“ (siehe
Abbildung 4) soll zum einen ein Innovationsprozess ablaufen,
bei dem zu Beginn Ideen über mögliche Funktionen und Ausführungsformen
gesammelt werden und in weiterer Folge die Teilprojekte begleitet werden. Zum
Anderen werden werden Basismodule von Fassaden erarbeitet und modulare Verbindungstechniken
erprobt werden.
Abbildung 4: Prinzipskizze des modularen Fassadenträgers: Außenhautgestaltung nach Wunsch der Architekten und Bauherrn
Teilprojekte Solarthermie und PV und HLK
Bei den Teilprojekte „P2 – Solarthermie“ und „P3 –
PV“ (siehe Abbildung 5) geht es um die
realisierbare Einbindung von aktiven Solarenergienutzungen. Es werden die unterschiedlichen
Anforderungen der Technologien berücksichtigt und unter Integrationsaspekten
adaptiert. Während die Solarthermie als Teil der Wärmedämmung
des Gebäudes dienen kann, ist die für die PV eine Hinterlüftung
notwendig um den Wirkungsgrad zu optimieren. Um die PV Jahreszeit unabhängig
betreiben zu können ist ein Verbund mit dem Stromverteilungsnetz inklusive
Einspeisungs-Technologie zu integrieren. Optimale Grundparameter für PV-Anlagen
stellen nach Süden geneigte und ausgerichtete Flächen dar. So in der
geneigten Fassade integrierten PV-Module erwirken als Nebeneffekt eine Verschattung.
Solarthermie in Fassaden integriert können hingegen, als Raumheizung-System
genutzt werden - vertikal nach Süden hin ausgerichtet sind im Winter hohe
Energieerträge zu erwarten.
Abbildung 5: Prinzipskizze für die Einbindung der Funktionen Photovoltaik mit Verschattung (links) und Solarthermie (rechts)
Für das Teilprojekt „P3 – HKL“ müssen im Speziellen für Lüftung, Abluftwärmerückgewinnung und Luftaufbereitung bestehende Lösungen von Brüstungsgeräten so adaptiert werden, dass sie, ohne die Fassade zu stark in der Tiefe zu erweitern in diese integriert werden (siehe Abbildung 6). Ein hoher Wärmedämmwert der Fassade bei möglichst geringer akustischer Belastung muss trotz HKL-Integration erreicht werden können.
Abbildung 6: Prinzipskizze für die Einbindung der Funktionen HLK und Beispiele von integrierten Lüftungsgeräten (EMCO, 2007) (rechts).
Stand der Arbeiten
Im ersten Projektjahr wurde neben einem Innovationsprozess, bei dem in generellen
Zügen der MPPF Standard definiert wurde sowie weitere Innovationspotentiale
ermittelt wurden eine umfassende Recherche an Technologien, Normanforderungen
etc. in allen relevanten durchgeführt. Zudem wurden erste grobe Skizzen,
wie ein solche Fassade aufgebaut sein könnte angefertigt. Im 2. Projektjahr
werden erste Prototypen gebaut in bei der FIBAG in Stallhofen getestet.
3 SCHLUSSFOLGERUNG, ZUSAMMENFASSUNG
Das Projekt „Multifunktionelle Plug&Play Fassade, welches als k-Projekt
im FFG.Comet Programm der Ministerien BMVIT und BMWA genehmigt wurde, hat sich
zur Aufgabe gestellt mit einem breiten Team von Firmen und wissenschaftlichen
Partnern innovative Lösungen im Bereich des Fassadenbaus bis hin zu ersten
Prototypen zu entwickeln.
Für die an sich nicht sehr innovative Bauindustrie bietet das Projekt die
einzigartige Gelegenheit, die Innovationsrate signifikant zu steigern sowie
F&E strategisch zu verfolgen. Das Projekt soll als Leuchtturmprojekt für
die gesamte Bauindustrie dienen.
Literatur
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*) Univ.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. tech. Wolfgang Streicher ist Leiter der Arbeitsgruppe „Energieeffiziente Gebäude“ am Institut für Wärmetechnik an der TU Graz, w.streicher@tugraz.at, http://www.iwt.tugraz.at [^]