Wassermanagement
Abbildung
1: Wahlweise Waschmaschinenanschlüsse
an Trink- bzw. Regenwasser
Die Nachrüstung von innovativen Wasserkonzepten im Bestand zählt zu den wichtigsten Aufgaben in der nachhaltigen Gebäudesanierung. Ein Beispiel aus Mühlheim/Main zeigt wie die Bewohner einer Wohnhausanlage dank einer modernen Regenwasserbewirtschaftung Trinkwasser, Kanalgebühren und Waschmittel sparen können.
Nutzung und Abkopplung vom Kanal im kommunalen Wohnungsbau
Die städtische Wohnbaugesellschaft „Gemeinnützige WohnBau Mühlheim/Main“
südöstlich von Frankfurt/Main stand vor der Aufgabe, im Rahmen der
fälligen Sanierung von insgesamt 8 Wohnblöcken mit ca. 450 Bewohnern
eine Attraktivitätssteigerung der Liegenschaft zu realisieren.
Neben der Umgestaltung der Außenanlagen wurde dabei auch eine zeitgemäße
Regenwasser-bewirtschaftung umgesetzt, die sowohl die Komponente „Nutzung“
für den Bewohner unmittelbar, als auch die Komponente „Versickerung“
mit wirtschaftlichen Vorteilen als mittelbare Folge gewährleistete.
In der Schillerstraße 62-96, haben 176 Familien nun die Möglichkeit,
das Regenwasser vom Dach für die Waschmaschine zu verwenden. Sie sparen
damit Trinkwassergebühren und Waschmittel sowie Niederschlagsgebühren
für das Ableiten von Regenwasser im öffentlichen Kanal.
Die städtische Wohnbaugenossenschaft hat die 4-geschossigen Wohnblöcke
in der Schillerstraße vor 45 Jahren erstellt. Das fortschrittlich-ökologische
Denken seitens der Stadtverwaltung ist nach wie vor ausschlaggebend für
eine derartige Investition.
Seit August 2006 haben die Mieter die Wahl, ihre Waschmaschine im Kellergeschoss
wie früher an das Trinkwasser anzuschließen oder stattdessen das
kostenlose Regenwasser aus der Zisterne zu nutzen (Abbildung 1).
Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum ist die Nutzung von Regenwasser für
das Wäschewaschen in keiner Weise untersagt. Lediglich der Anbieter von
nicht selbst genutztem Wohnraum (Vermieter) muss dem Mieter eine Wahlfreiheit
für das Wäschewaschen ermöglichen. Dieser Sachverhalt ist vom
Bundesgesundheitsministerium vom 04.02.2002 explizit festgehalten worden.
Die Parteien haben sich durchweg für die von der Bauherrschaft angebotene
Alternative entschieden.
Zusätzlich wurde die Bewässerung der ca. 10.000 m² großen
Außenanlage berücksichtigt. Diese Nutzungsart für das Regenwasser
ist mit Sicherheit am weitesten verbreitet. Der Bedarf wurde anteilig den einzelnen
Zisternenstandorten zugeschlagen.
Wegen der in Mühlheim umgesetzten so genannten gesplitteten Abwassergebühr
wirkt sich das Abkoppeln befestigter (Dach-)Flächen vom Mischwasserkanal
sofort gebührenmindernd aus.
Der Überlauf der insgesamt 18 Zisternen wird auf den Grundstücken
versickert. Dadurch ist die Voraussetzung gegeben, dass die Gebäude insgesamt
von der Niederschlagsgebühr befreit sind, die beim Ableiten in den Kanal
in Mühlheim am Main fällig ist.
Weniger Abwassermenge, weniger Trinkwasseraufbereitung und eine geringere Abwasserbelastung
durch Waschmittel sind darüber hinaus Pluspunkte für die Umwelt und
steigern Akzeptanz und Attraktivität der Immobilie.
Regenwasser als Rohstoff
Die Landschaftsarchitekten Büttner/Löffler aus Berlin nutzten die Tatsache, dass nach der aktuellen Trinkwasserverordnung das Wäschewaschen mit Regenwasser grundsätzlich zulässig ist, wenn den Bewohnern die Wahl zwischen Trink- und Regenwasser gelassen wird.
Abbildung 2: Bau eines Regenwasserspeichers
Abbildung 3: Schnittzeichnung Regenwasserspeicher
Abbildung 4: Filterkorb
Die Zisternengröße wurde mit einer Computersimulation so berechnet,
dass die möglichen Entnahmemengen in einem guten Verhältnis stehen
zu den Erträgen durch die angeschlossenen Dachflächen. Alle 18 Regenspeicher
stammen aus der Baureihe „Regenspeicher Typ Comfort mit Filterkorb“
von Mall Umweltsysteme (Abbildungen 2, 3 und 4). Das Fassungsvermögen
beträgt zwischen 7 und 11 m³.
Wichtig war die Anordnung eines zuverlässigen und robusten Filtersystems,
da einerseits an die Qualität des genutzten Wassers in der Waschmaschine
hohe Anforderungen zu stellen sind, andererseits wegen der kompletten Kanalabkopplung
sämtliches Überschusswasser in die Kunststoffrigolen der Versickerung
geleitet werden und somit auch Starkregenereignisse im Filterbereich verkraftet
werden müssen.
Es wurde ein Filtersystem nach DIN 1989-2, Typ A (mit großem Rückhaltevolumen)
eingebaut.
Die Zisternen-Konfiguration bietet bis zu 85% Verbrauchsdeckung bei 95% Niederschlagsausnutzung.
Die hohe Niederschlagsausnutzung ist ein Indiz für die vergleichsweise
kleine Sammelfläche gegenüber den Nutzungsmengen aus Waschmaschine
und Bewässerung. Es würde wirtschaftlich keinen Sinn machen, eine
hundertprozentige Verbrauchsdeckung anzustreben; die Mehrkosten für die
dann wesentlich größere Zisterne stünde im keinem Verhältnis
zu den zusätzlichen Einsparungen.
Abbildung 5: Wasserverbrauchsübersicht
Abbildung 6: Verbrauchsabdeckung und Niederschlagsausnutzung
Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass der Anschluss weiterer Verbraucher (z.B.
Toiletten) wenig sinnvoll ist.
Bei maximalem Wasserstand wird weiter zufließendes Regenwasser zur Versickerung
in eine unterirdische Rigole abgeleitet. Überläufe in die Kanalisation
gibt es nicht. Das ungenutzte Dachwasser trägt so zur Grundwasseranreicherung
bei.
Ökonomisch planen
Abbildung 7: Druckerhöhungsanlage
Die Pumpentechnik sitzt innerhalb des Gebäudes im Keller. Insgesamt wurden
18 Kellerräume mit 6 bis 8 Waschmaschinen vorgesehen. Pro Zisterne bzw.
pro Waschmaschinenkeller ist eine kompakte Druckerhöhungsanlage installiert,
die auch sicherstellt, dass bei leerer Zisterne automatisch Trinkwasser nachgespeist
wird, durch einen DIN gemäßen freien Auslauf.
Damit ist die strikte Trennung zwischen Trinkwassernetz und Regenwasser gewährleistet.
Darüber hinaus helfen Schilder an Leitungen und Entnahmestellen eine Verwechslung
zu vermeiden
Für die Toilettenspülung mit Regenwasser in allen vier Geschossen
wäre eine wesentlich aufwändigere Leitungsführung erforderlich
gewesen als für die Waschmaschinennutzung. Da alle Waschmaschinen im Kellergeschoss
versammelt sind, ist das Verteilnetz kurz und damit preiswert.
Pro Bewohner und Tag lassen sich mit Waschmaschine laut DIN 1989-1 ca. 10 Liter
Trinkwasser einsparen. Bei kalkulierten ca. 450 Einwohner ergibt sich somit
ein Maximaleinsparpotential von 4.500 Liter pro Tag bzw. 1.600 m³ pro Jahr
und somit ein Einsparvolumen von ca. 6.000 € pro Jahr.
Die Dosierung beim Waschmittel kann grundsätzlich im niedrigsten Härtebereich
stattfinden, da das weiche Regenwasser aus Zisternen keine nennenswerten Anteile
von Kalk enthält. In Mühlheim mit Wasser-Härtebereich 3 lohnt
es sich. Ein weiterer Verwendungszweck für die gesammelten Niederschläge
ist die Bewässerung der Außenanlagen. Pro Zisterne und Aufgang steht
eine Zapfstelle an der Außenwand zur Verfügung. Damit werden zusätzlich
mindestens 60 Liter Trinkwasser pro m² Geländefläche im Jahr
gespart.
Aus Tabelle 1 wird deutlich, dass das wirtschaftliche Einsparpotential
noch wesentlich höher liegt, wenn man durchschnittliche kommunale Gebührenniveaus
zu Grunde legt, d.h.
Regenwassernutzung ist heute Stand der Technik. Die Schnittstelle zwischen
Tiefbau (Zisternen und Sammelleitungen) und Sanitärtechnik (Druckerhöhungsanlage
und Verteilleitungen) ist einfach und klar (Abbildung 7). Bei
diesem Projekt wurde ein Komplett-System von Mall verwendet, um sicherzustellen,
dass die Komponenten kompatibel sind, auch wenn sie von verschiedenen Gewerken
montiert werden.
Durch eine so genannte „schwimmende Entnahme“ wird gewährleistet,
dass immer die beste Wasserqualität entnommen wird, ohne Sediment vom Speicherboden
und ohne Schwimmschicht von der Wasseroberfläche. Das Filtersystem muss
nur einmal pro Jahr kontrolliert und gegebenenfalls gereinigt werden.
Tabelle 1: Wirtschaftliches Einsparpotential durch Regenwassernutzung
Art der
Nutzung Einsparung |
Einheit |
Menge /
a |
Gebühr
Mühlheim [€/Einheit] |
Nutzen /
a [€] |
| Versiegelte Fläche Gesplittete Gebühr (Mühlheim) [Vergl. mit max. gesplitteter Gebühr1] |
m² |
3.550 |
0,50 [+Δ 1,00] |
1.775,- [3.550,-] |
| Frischwasser Waschen 450 Bewohner) Frischwasser Bewässerung 10.000 m² Garten) |
m³ |
1.600 600 |
1,35 1,35 |
2.160,- 810,- |
| Abwasser Garten {Vergl.: inkl. Abwasser Waschmaschine} |
m³ |
600 {1.600} |
1,65 {1,65} |
990,-- {2.640,-} |
| Summe Mühlheim aktuell [Vergl. mit max. gesplitteter Gebühr] {Vergl. mit max. gesplitteter Gebühr zuzügl. versteckte Subventionen2} |
5.735,- [9.285,-] 11.925,-} |
1) z. B. in Berlin
2) d. h. keine Schmutzwasserabgabe für genutztes Regenwasser
Ausblick
Mühlheim/Main gehört zu den Kommunen, die die gesplittete Abwassergebühr
in ihrer Satzung verankert haben. Hier sind pro 10 m² versiegelter Grundstücksfläche
4,90 € pro Jahr fällig, wenn zur Ableitung der öffentliche Kanal
in Anspruch genommen wird.
Bei einer Gesamtdachfläche von ca. 3.550 m² werden den Mietern folglich
zusätzlich zur Trinkwassereinsparung (siehe Tabelle 1)
1.775 € pro Jahr erlassen.
Die momentane Entwicklung lässt vermuten, dass in 10 Jahren 9 von 10 Kommunen
in Deutschland diese Niederschlagsgebühr haben werden, mit noch deutlich
höheren Beträgen. Berlin verlangt vom Grundstückseigentümer
jetzt schon 14,80 €, Bonn 15,00 € pro 10 m². Dann zahlt sich
das Regenwasser sammeln tatsächlich aus und der vorhandene Zisternenanschluss
wird in den Immobilienangeboten als bevorzugtes Ausstattungsmerkmal erscheinen.
Es bleibt festzuhalten:
| Projektbeteiligte |
|
| Garten- und Landschaftsarchitekten: | Buettner + Loeffler, Berlin |
| Planung Haustechnik: | BBP, Berlin |
| Lieferung Zisternentechnik: | Mall GmbH, Donaueschingen |
Projektdaten |
|
| Dachgrundflächen aller 4 Wohnquartiere | 3.550 m² |
| Zisternenanzahl: | 18 |
| Waschmaschinenanzahl/Wohnungsanzahl: | 176 |
| Regenwasserertrag pro Jahr | 1.879 m³ |
| Regenwasserbedarf, Waschmaschine maximal | 1.606 m³ |
Weitere Informationen:
Mall GmbH, Hüfinger Str. 39-45, 78166 Donaueschingen-Pfohren
Tel. 0771/80 05-162, Fax 0771/80 05-3162, martin.lienhard@mall.info
*) Dipl.-Ing. Martin Lienhard ist Leiter der Technischen Abteilung bei Mall GmbH, Sprecher fbr-Fachgruppe Regenwasserbewirtschaftung, Mitglied im DIN-Auschusses NAW V 8 Regenwassernutzungsanlagen [^]