Solarthermie im Megawattsektor
Solarthermie
Abbildung
1: Solaranlagen
im Township Kuyasa am Stadtrand von Kapstadt
In Kuyasa, am Stadtrand von Kapstadt, wurde Südafrikas erstes registriertes Clean Development Mechanism (CDM) Projekt im Rahmen des Kyoto-Protokolls über den Klimawandel realisiert. Es war auch das erste ‘Gold Standard Projekt’ der Welt. Im Rahmen der energetischen Sanierung von rund 2.300 Häusern wurden alle Gebäude mit thermischen Solaranlagen nachgerüstet, die Decke zum Dach wärmegedämmt und jedes Haus mit zwei Energiesparlampen (CFLs) ausgestattet.
KUYASA - Südafrikas erstes CDM Projekt
Von Ernst Uken und Werner Weiss *
Kuyasa ist ein kleiner Teil von Khayelitsha, dem drittgrößten Township
Südafrikas in dem rund 1,5 Million Menschen leben.
Khayelitsha entstand, nachdem 1950 der Group Areas Act erlassen wurde. Er verbot
Schwarzen, in südafrikanischen Städten zu wohnen. Nach Ende der Apartheid
1994 kamen hunderttausende Schwarze aus ländlichen Gegenden in die Stadt
in der Hoffnung, Arbeit zu finden.
Trotz der friedlichen, neuerworbenen Demokratie, haben die Probleme des Landes
sich kaum verbessert. Die Mehrheit der Bewohner von Khayelitsha ist nach wie
vor arm, da die Arbeitslosigkeit dort besonders hoch ist. Ein großer Teil
des Township besteht auch heute noch aus Wellblechhütten.
In den letzten Jahren hat die Regierung durch verschiedene Kampagnen versucht,
die Lebensbedingungen zu verbessern. So wird allen Bewohnern Zugang zu Wasser
und Elektrizität ermöglicht, darüber hinaus gibt es umfangreiche
„Low Cost Housing Programme“.
Verbesserung der Lebensbedingungen
Das Kuyasa Projekt wurde von der Nichtregierungsorganisation (NGO) SouthSouthNorth
(SSN) im Auftrag des Umwelt- und Stadterneuerungsprogramms der Stadt Kapstadt
entwickelt. Im Jahr 2005 wurden die ersten 10 Pilothäuser realisiert und
erste Erfahrungen gesammelt. Basierend auf den positiven Ergebnissen wurden
zwischen 2008 und Oktober 2010 rund 2300 Häuser wärmegedämmt
sowie mit Energiesparlampen und mit einer kleinen Thermosyphon Solaranlage ausgestattet.
Ein großer Teil der Arbeiten konnte von den Bewohnern des Township unter
fachkundiger Betreuung selbst durchgeführt werden. Während der Projektumsetzung
konnten rund 100 Personen durchgehend beschäftigt werden. Darüber
hinaus wurden für die Instandhaltung und Wartung auch langfristig einige
Arbeitsplätze geschaffen.
Dank dieser Maßnahmen hat sich auch die Lebensqualität in Kuyasa
stark verbessert, denn die Wohnräume sind nun im Winter warm und im Sommer
unter dem gedämmten Blechdach vergleichsweise kühl, es gibt warmes
Wasser und günstiges elektrisches Licht. Das Projekt hat zudem einen positiven
Einfluss auf das sozio-ökonomische Wohlergehen der Gemeinschaft, denn fast
alle Haushalte sind mit der Installation und Wartung sehr zufrieden, sparen
im Jahr durchschnittlich 100 Euro an Stromkosten und haben das umwelt- und gesundheitsschädliche
Heizen mit Paraffin Heizgeräten weitgehend eingestellt.
Da die Warmwasserbereitung und teilweise auch die Heizung in den kalten Wintermonaten
mittels elektrischem Strom erfolgte, wird pro Haushalt eine jährliche CO2
Einsparung von 2,85 Tonnen erzielt. Hochgerechnet auf 21 Jahre ergibt dies für
alle 2300 Häuser vermiedene CO2 Emissionen von rund 138.000
Tonnen.
Dies ist insbesondere auch deshalb von Bedeutung, da die Stromproduktion der
südafrikanischen Kraftwerke überwiegend auf fossilen Energieträgern
wie Kohle oder importiertem Erdöl basiert. Strom ist zudem seit einigen
Jahren Mangelware, da der veraltete Kraftwerkspark den stark steigenden Bedarf
kaum noch decken kann. Die Reservekapazität der südafrikanischen Kraftwerke
ist von 30% im Jahr 2000 auf nur noch 8% im Jahr 2009 gesunken. Es ist daher
auch im höchsten Interesse von ESCOM, dem südafrikanischen Elektrizitätskonzern,
Spitzenlasten, die durch die elektrische Warmwasserbereitung entstehen, durch
die Nutzung von thermischen Solaranlagen zu glätten.
Übertragbarkeit des Projekts
In Kuyasa gibt es derzeit Pläne, dieses Projekt auf 20.000 Häuser
auszuweiten. Darüber hinaus hat dieses Demonstrationsprojekt grundsätzlich
ein großes Potenzial auf andere Townships - nicht nur in Südafrika,
sondern auch in anderen Ländern Afrikas - übertragen zu werden. Die
CDM-Finanzierung kann dabei eine wichtige Rolle zur Förderung der sich
entwickelnden Nationen spielen.
Bei allen positiven Erfahrungen, die mit diesem Projekt gemacht wurden, birgt
das Projekt dennoch ein Potenzial zur Optimierung, wenn es ausgeweitet oder
auf andere Townships übertragen wird. Eine zentrale Verbesserung der Gesamtwirkung
des Projekts ergäbe sich schon alleine dadurch, dass anstatt der chinesischen
Importanlagen lokal gefertigte Solaranlagen installiert werden. Da nahezu alle
Solaranlagen, die in Kuyasa installiert wurden aus China stammen, ist die Wertschöpfung
in Südafrika vergleichsweise gering. Dies ist umso bedauerlicher, als es
in Südafrika seit Jahren eine lokale Produktion gibt, welche Solaranlagen
mit deutlich besserer Qualität als die ausgewählten Importprodukte
anbietet. Da die Vergabe der Aufträge an die Billigstbieter erfolgte, wurden
die chinesischen Anlagen den etwas teureren heimischen Produkten vorgezogen.
Über die Lebensdauer der Anlagen gesehen ist der in Kuyasa gewählte
Weg mit Sicherheit teurer als beim Einsatz von zwar etwas teureren aber dafür
über Jahre wartungsfreien Anlagen. Dies ist neben den lokalen Arbeitsplatzeffekten,
die durch die Produktion der Anlagen entstehen auch bezüglich der Nachhaltigkeit
des Projekts entscheidend, da anzunehmen ist, dass sich die Bewohner von Townships
auch in Zukunft kostenintensive Reparaturen oder Wartungsarbeiten bei den Solaranlagen
nicht leisten können.
Abbildung 2: Mitglieder des Exekutiv Komitees des IEA Solar Heating and Cooling Programms beim Besuch in Kuyasa Foto: Ernst Uken
FACTBOX
CDM |
Der Mechanismus...
Der CDM Gold Standard ...
Quelle: http://de.wikipedia.org |
Weitere Informationen:
http://www.kuyasacdm.co.za/
*) Ernst
Uken, Leiter des Energie Instituts der Cape
Peninsula University of Technology in Kapstadt, Südafrika
Werner Weiss
ist Geschäftsführer der AEE INTEC und Vorsitzender des IEA Solar Heating
and Cooling Programms [^]