03 | 2024 Innovation durch internationale Kooperation
Know-how-Transfer, Demonstration und „Gender Equality“ im südlichen Afrika
Birgit Weyss, Monika Spörk-Dür
Zugang zu nachhaltigen, modernen und leistbaren Energielösungen zu schaffen ist entscheidend für weniger Armut und wirtschaftliche Entwicklung und ein Ziel der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, setzt sich für eine bessere und nachhaltige Energieversorgung insbesondere in Ländern des Globalen Südens ein. Dabei achtet sie darauf, dass der Schutz der Umwelt, die Förderung von Frauen und Mädchen und soziale Gerechtigkeit auf lange Sicht berücksichtigt werden.
In vielen Entwicklungsländern besteht großes Potenzial für erneuerbare Energiequellen. Aufgrund technischer, finanzieller und institutioneller Barrieren bleibt dieses Potenzial aber oft ungenutzt. Die ADA unterstützt daher Institutionen und Unternehmen, lokal vorhandene Chancen erneuerbarer Energien und energieeffiziente Lösungen zu nutzen.
Mit dem Projekt SOLTRAIN forciert die Austrian Development Agency seit 15 Jahren in Botswana, Lesotho, Namibia, Simbabwe und Südafrika die Nutzung von Solarthermie. Dabei geht es nicht nur um den Ausbau der nötigen Infrastruktur, sondern auch um die Ausbildung von Expert*innen, die die Anlagen betreiben und warten können. Frauen stehen dabei im Fokus. Ein weiteres Ziel ist, das allgemeine Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig erneuerbare Energien für Umwelt und Klima sind. Dank SOLTRAIN werden bisher jährlich 2 000 Tonnen CO2 eingespart. Eine Erfolgsgeschichte, die noch nicht zu Ende ist.
SOLTRAIN-Initiative
Seit 2009 leitete AEE INTEC unter dem Namen „SOLTRAIN“ bereits mehrere solarthermische Trainings- und Ausbildungsinitiativen im südlichen Afrika. Die Kapazitätsentwicklung in Bezug auf erneuerbares Heizen und Kühlen, die Förderung von Demonstrationsanlagen in Gebäuden und der Industrie sowie bewußtseinsbildende Maßnahmen für Stakeholder*innen in Politik, dem Finanzsektor und für Anwender*innen der verschiedenen Sektoren stehen dabei im Mittelpunkt. Durch die Ausbildungskurse und den Know-how-Transfer im Bereich solarthermischer Wärmeversorgung werden die teilnehmenden Länder beim Umstieg von einer hauptsächlich von einer fossilen Wärmeversorgung auf eine erneuerbare Energieversorgung unterstützt und die Belastung des teils überlasteten Stromnetzes in den beteiligten Ländern reduziert. Weiters ist es ein wesentliches Ziel, neue Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen zu initiieren, sowie gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen politische Rahmenbedingungen zur Nutzung von thermischer Solarenergie zu verbessern bzw. soweit vorhanden zu stärken.
Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Universitäten und Energieforschungszentren in der Region ergeben sich auch neue Forschungsfragestellungen, die im Rahmen der SOLTRAIN-Initiative aufgegriffen werden. So wird derzeit eine Vergleichsstudie zur Untersuchung von drei verschiedenen solaren Wärmeerzeugungstechnologien (Solarthermie mit Flachkollektoren bzw. Vakuumröhrenkollektoren sowie eine PV2Heat-Lösung) durchgeführt, die Aufschluss über die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Technologien geben wird. Die Forschungsergebnisse werden auch über die Region hinaus genutzt und der wissenschaftlichen Community zur Verfügung gestellt.
Stärkung von Frauen im solarthermischen Sektor
Das seit 2022 durchgeführte Nachfolgeprojekt „SOLTRAIN+“ hat als weiteren Fokus die Stärkung von Frauen im erneuerbaren Energiebereich in der SADC-Region (Entwicklungsgemeinschaft der Länder im südlichen Afrika) zum Ziel. In Übereinstimmung mit länderspezifischen und regionalen politischen Gender & Jugend-Programmen wird ein offener Dialog mit Politik, privatem Sektor, Organisationen und Personen, die bereits als Techniker*innen oder Wissenschaftler*innen im Sektor arbeiten, angestrebt. Diskussionen auf politischer Ebene, die Ermittlung der wichtigsten Stakeholder (einschließlich zivilgesellschaftlicher Organisationen) und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Diskussionen über Probleme, mit denen die in der Branche Tätigen konfrontiert sind, und die Entwicklung von länderspezifischen Ansätzen, die im Laufe des Projekts umgesetzt werden, sind einige der Aktivitäten. Jedes beteiligte Land hat einen „Gender-Manager“ oder eine „Gender-Managerin“ nominiert, die gemeinsam mit den Projektpartner*innen die Berücksichtigung von Genderthemen in allen Arbeitspaketen plant.
Foto: AEE INTEC / Werner Weiss
In einem „Needs Assessment Report“ wurden zu Beginn des Projektes die Bedürfnisse, Barrieren und mögliche Maßnahmen zur Überwindung der Herausforderungen einer stärkeren Beteiligung von Frauen im erneuerbaren Wärmebereich im südlichen Afrika mittels Fragebogen erhoben. Der Fragebogen zeigte auf, dass die Möglichkeiten für Frauen von mehr als 70 Prozent der Teilnehmer*innen als gut oder sehr gut eingeschätzt wurden. Als hauptsächliche Barrieren für eine stärkere Beteiligung von Frauen wurden mangelndes Wissen über die Möglichkeiten im erneuerbaren Energiebereich, mangelnde Ausbildung und mangelndes Mentoring genannt. Die bevorzugten Maßnahmen für die Unterstützung von Frauen im Bereich erneuerbares Heizen und Kühlen sahen die Teilnehmer*innen in „Capacity Building“, Bereitstellung von gleichen Möglichkeiten sowie Mentoring-Netzwerken. Die Ergebnisse der 103 ausgefüllten und retournierten Fragebögen flossen weiters in die Erstellung einer Strategie ein, die in länderspezifische Umsetzungspläne münden, in denen auf länderspezifische Ergebnisse bestmöglich Rücksicht genommen wird.
Durch die Organisation von Gender Side Events bei den jährlich stattfindenden SOLTRAIN-Konferenzen sowie zusätzliche „Gender & Diversity“-Online-Webinare werden den teilnehmenden Frauen Möglichkeiten geboten, sich im Bereich erneuerbares Heizen und Kühlen zu vernetzen und sich aktiv an der Lösung der identifizierten Herausforderungen zu beteiligen. Im Rahmen der Side Events und Online-Webinare werden außerdem Role Models vor den Vorhang geholt, die als Vorbild dienen, Erfolge von Frauen im Sektor aufzeigen und zur Nachahmung anregen. Dabei geht es vor allem auch darum, voneinander zu lernen und als gleichberechtigte Partner*innen an der Bewältigung der Herausforderungen durch den Klimawandel sowie an den Grundlagen für ein gutes Leben mitzuwirken.
Kommentar
„Wir arbeiten im Wege der ADA bereits seit 2009 erfolgreich mit AEE INTEC zusammen, die mit der SOLTRAIN Initiative ein Kernstück unserer Entwicklungszusammenarbeit im Green Tech Bereich umsetzen. Die Verbindung zwischen Diplomatie und innovativen Technologien wird in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger und wir schätzen AEE INTEC als einen kompetenten Partner.“
Romana Königsbrun, österreichische Botschafterin für das südliche Afrika mit Sitz in Pretoria, Südafrika. Foto: BMEIA
Autorinnen
Mag. Birgit Weyss, E.MA ist Koordinatorin des Afrika-Programms der Austrian Development Agency
Dipl.-Ing.in Monika Spörk-Dür ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs „Industrielle Systeme“ bei AEE INTEC. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
